Forschungsprojekt

#1 Lean Management trifft auf New Work

Buzzwords wie digitale Transformation, Industrie 4.0 oder das VUKA-Akronym sind aus sozialen Medien und Fachliteratur nicht mehr wegzudenken. Im Zuge dieser Entwicklung werden zunehmend auch Organisationsformen und Formen der (Zusammen-) Arbeit hinterfragt und kontrovers diskutiert. Generation Y und Z betreten den Arbeitsmarkt, beginnen bereits Einzug in die Management-Etagen zu halten. Eine Dynamik, die Unternehmen hinsichtlich Wertevorstellung und Einstellung vor Herausforderungen stellt. Ansätze wie Holacracy, Agilität, Unternehmensdemokratie und Selbstorganisation erscheinen sowohl im Umgang mit steigender Komplexität als auch im Kontext mit Sinnstiftung, Kulturwandel und Potentialentfaltung als neue, erfolgsversprechende Konzepte. Gebündelt unter dem Schlagwort „New Work“ stellt sich die Frage, was sich tatsächlich hinter diesem Themenfeld befindet, provokant formuliert „mehr als nur heiße Luft?“ und wie die Umsetzung in der Unternehmenspraxis gestaltet werden kann.

Kulturelle Gestaltungskriterien und Methodenkompetenz aus dem Lean Management haben in vielen Unternehmen in den letzten Jahrzehnten Einzug gehalten – zunächst verstärkt im Produktionsumfeld, jedoch hat sich der Ansatz auch auf die administrativen und innovativen Bereiche ausgeweitet. Neben der Anwendung von Methoden zur Effizienzsteigerung eröffnet der Lean-Ansatz auch Aspekte, Kultur und Führung kontinuierlich weiterzuentwickeln und die Organisation auf Marktveränderungen anzupassen.

#2 Widerspruch, Ergänzung,  Evolution oder doch integrierter Ansatz?

An dieser Stelle setzt das geplante Forschungsprojekt an: Lean Management trifft auf New Work. Ziel ist die Gegenüberstellung beider Themenfelder und die Suche nach dem Zusammenhang: Spricht man hier von einem Widerspruch, einer Ergänzung, einer Evolution oder doch von einem integrierten Ansatz?

#3 Steigende Komplexität – Herausforderung für Unternehmen

Aus unternehmerischer Sicht ist eine zunehmende Komplexität in den täglichen Herausforderungen als Folge der Globalisierung und Digitalisierung wahrzunehmen. Je komplexer die Aufgabenstellung, desto stärker stoßen die bisher bewährten Handlungsmechanismen an ihre Grenzen. Der Versuch, steigende Komplexität zu beherrschen, gelingt in der Unternehmenspraxis nur bedingt und überschreitet die Fähigkeit des menschlichen Gehirns.

Stacey Matrix und Darstellung der Komplexitätsveränderung

Die Weiterentwicklung des eigenen Systems, das in der Lage ist, mit Komplexität umzugehen, ist daher aus unternehmerischer Sicht elementar notwendig. Welche Möglichkeiten New Work bietet und wie bzw. ob der Lean-Ansatz helfen kann, Brücken zwischen der „alten“ und „neuen“ Welt zu schlagen, soll im Rahmen des Forschungsprojekts erarbeitet und mit Beispielen aus der Unternehmenspraxis untermauert werden.

#4 Interviewpartner mit Lean- und/ oder New Work-Hintergrund gesucht

Zur Erhebung der Datengrundlage werden Interviews mit Entscheidungsträgern aus dem Management und mit interne Consultants durchgeführt. Bezüglich der Unternehmensauswahl sollten folgende Kriterien erfüllt sein:

  • schwerpunktmäßig produzierendes Gewerbe, losgelöst von Branche
  • sofern möglich: kein IT-/ Softwareentwicklungsunternehmen (Übertragung von Ansätzen auf andere Branchen ehr schwierig und wenig repräsentativ) 
  • sowohl bei Lean als auch bei New Work: Erfahrung und Anwendung mindestens > 1 Jahr
  • Kriterium für New Work: Suche nach Unternehmen, die etwas „anders“ machen, bewusst offen gehaltene Formulierung, um möglichst verschiedene Erfahrungsberichte und Ansätze zu erhalten
  • gute Durchmischung von Unternehmensgröße: kleine Unternehmen (mindestens > 60 Personen), Mittelstand und große Unternehmen, keine spezielle Zielgruppe

#5 Aufbau der Datenerhebung und Inhalte des Interviews

Zunächst werden als erster Teil des Interviews die Einschätzung und Wahrnehmung hinsichtlich der Entwicklung von Komplexität abgefragt. Zur Strukturierung wird das Cynefin Modell zu Hilfe genommen, dass im Wesentlichen vier Bereiche unterscheidet: Einfach (Erkenne-Beurteile-Reagiere), Kompliziert (Erkenne-Analysiere-Reagiere), Komplex (Probiere-Erkenne-Reagiere) und Chaotisch (Handle-Erkenne-Reagiere). Gemäß der Schachbrettlogik kann dann durch ein geführtes Interview die Bewertung erfolgen.

Cynefin Modell mit kompakter Erklärung

Der zweite Teil des Interviews zielt auf die individuelle Entwicklung des Unternehmens ab. Losgelöst, ob das Unternehmen seinen Schwerpunkt in der Anwendung von Lean Management sieht oder seine eigene Interpretation von New Work vorantreibt, entscheidend ist die Art und Weise, wie die Umsetzung geschieht und welche Elemente als besonders entscheidend und außergewöhnlich interpretiert werden. Erfolge messbarer Art aber auch Veränderungen in Führung, Kultur und Werten stehen im Fokus. Um zum letzten Teil des Interviews überzuleiten, wird ebenfalls auf die historische Entwicklung und entscheidende Meilensteine eingegangen.

Der dritte und gleichzeitig letzte Teil dient der Vergleichbarkeit der Interviewergebnisse und der Gegenüberstellung von Lean Management und New Work. Hierzu werden das 7S Modell nach Peters/ Waterman und das Spiral Dynamics Modell nach Graves miteinander kombiniert – mit dem Ziel, eine Bewertungs- und Kategorisierungsmatrix zu entwickeln.

Schematische Darstellung der Modell-Kombination

Das 7S Modell nach Peters/ Waterman stellt mit seinen sieben Faktoren (Struktur, Strategie, System, Selbstverständnis, Stil, Stammpersonal und Spezialkenntnisse) die wesentlichen charakteristischen Eigenschaften dar, die es braucht, um eine Organisation ganzheitlich zu analysieren. Hierbei wird in drei sogenannte „weiche“ (hell-türkis) und vier „harte“ (dunkel-türkis) Faktoren unterschieden.

Mithilfe des Spiral Dynamics Modells, das von Don Beck und Chris Cowan auf der Grundlage der Theorien von Clare W. Graves entwickelt wurde, wird versucht, die Entwicklung einer Organisation sowie die charakteristischen Eigenschaften der verschiedenen Evolutionsstufen greifbar und verständlich darzustellen. Die Farben beige, purpur, rot, blau, orange, grün, gelb und türkis symbolisieren jeweils eine eigene Stufe, die schrittweise durchlaufen werden. Ein Überspringen ist nicht möglich. Rot steht beispielsweise für Impulsivität, blau für Sinn und Ordnung und orange für Vernunft und Freiheit. Anhand charakteristischer Kriterien ist eine grobe Organisationseinordnung möglich.

Kompakte Darstellung der Bewertungsmatrix

#6 Ergebnisse und Möglichkeiten der Visualisierung

Als Ergebnis des Forschungsprojekts wird zunächst der Zusammenhang zwischen Einfachheit, Kompliziertheit sowie steigender Komplexität und dem Einsatz von Lean bzw. New Work-Ansätzen untersucht. Die folgende Darstellung zeigt ein mögliches, grafisches Resultat, dargestellt als Flächenverteilung im Cynefin Modell. Die Einschätzung aus 30 – 40 durchgeführten Interviews mit Sichtweisen aus unterschiedlichen Bereichen ermöglicht die Interpretation von Zusammenhängen und eine Mustererkennung.

Cynefin Modell: mögliche Ergebnisse aus Einschätzungen (Lean und New Work-Flächen in Relation zu einfachen, komplizierten, komplexen und chaotischen Aufgabenstellungen)

Darüber hinaus werden die individuellen „Erfolgsgeschichten“ der Unternehmen einerseits klären, was sich in der beruflichen Praxis hinter dem Begriff New Work verbirgt, andererseits können unter Umständen Parallelität oder evolutionäre Entwicklungen von Lean zu New Work herausgedeutet werden. Interessant könnte auch sein, ob es Lean-Elemente gibt, die den Übergang zu neuem Arbeiten erleichtern.

Bewertungsmatrix: mögliche Ergebnisse aus Einschätzungen (Kategorisierung von Lean- und New Work-Organisationen, Mustererkennung derzeit nicht vorhersehbar)

Unterstützt wird die Beantwortung der Forschungsfrage durch die Auswertung und Interpretation der Bewertungsmatrix. Wünschenswert ist das Herausdeuten von Mustern, die entweder für Widerspruch, Ergänzung, Evolution oder integriertem Ansatz sprechen. Es ist davon auszugehen, dass es keine eindeutige Antwort geben wird, sondern für jede Option eine eigene Argumentationsbasis aufgebaut werden kann. Da es sich allgemein um ein recht unerforschtes und neuartiges Gebiet handelt, ist ein konkretes Ergebnis Stand heute noch nicht herausdeutbar.

Sie haben Interesse am Themenfeld, befassen sich in ihrem beruflichen Kontext mit ähnlichen Aufgabenstellungen und möchten das Forschungsprojekt mit ihrer Teilnahme unterstützen? Gerne nehmen Sie mit mir Kontakt auf!

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